M A T E R I A L D R U C K E
In der retrospektiven Betrachtung zeigt sich, dass sich meine bildnerischen Energien zum einen in dynamischen, abstrakten Stiftzeichnungen mit gestischem Duktus ausleben, zum anderen im vielfältigen schöpferischen Umgang mit Materialien aller Art.
Waren es anfangs Bilder aus Zeitschriften und Illustrierten, die ich zu Fotocollagen komponierte, so folgten später dreidimensionale Fundgegenstände, die in einem mit Leisten eingefassten Gipsbett arrangiert und anschließend durch Bemalung oder mit Spraylack verfremdet wurden.
Ein entscheidender Schritt war für mich die Erfahrung, geeignete Materialien einfärben und auf Papier abdrucken zu können. Die Addition dieser Abdruckbilder erlaubte, Kompositionsideen zu entwickeln und sie zu geschlossenen und wirkstarken Bildgefügen zu verdichten – meine Variante des Materialdrucks war gefunden, sie wird mein bevorzugtes Medium.
Welche Materialien eignen sich für diese Technik? Alle, die eine reliefartige, aber plane Oberfläche haben, sind brauchbar. Das können Fundstücke von Baustellen sein, Schwemmgut aus der Donau, Pflanzen von Spaziergängen, Konsumgüter aus den Verkaufsregalen oder nutzlos gewordene Gegenstände, wie Schnurstücke, Drähte, Gitter, Netze, Strukturtapeten, Wellpappen, Schaumstoffplatten, Furniere, … und noch vieles mehr. Sie verlocken mit bestechender Form oder bezaubernder Patina, nehmen gefangen durch interessante Strukturen oder Texturen und verführen durch leichte Bearbeitbarkeit. Sie sind einfach Initialzündungen zu Gestaltungsideen. Um für den Kompositionsplan brauchbar zu sein, müssen sie von gestaltender Hand durch Zerreißen, Zerteilen, Verbiegen oder Zerschneiden zurechtgeformt werden.
Der Zweck dieser Materialien wird aufgehoben, nur die ihnen innewohnende grafische Qualität, die sich im Abdruck offenbart, wird für die Bildwerdung wichtig, sie wird ein Element des Kompositionsgefüges. Ziel ist ein geschlossenes, stimmiges Bildganzes, getragen von der Stimme der Materialien.
